Hochwasserschutz Fischerdorf: Vorgeschichte und Ausbauziel
Der Stadtteil Fischerdorf (Stadt Deggendorf) liegt am rechten Donauufer innerhalb des Polders Steinkirchen - Fischerdorf. Das Deichsystem zum Schutz des Polders Steinkirchen - Fischerdorf wurde in den Jahren 1929 bis 1932 errichtet und zwischen-zeitlich mehrmals saniert.
Der derzeitige Deich bietet lediglich einen Schutz vor einem ca. 20-30-jährlichen Hochwasser der Donau.
Die Hochwasserereignisse in der jüngeren Vergangenheit zeigten zudem, dass der Deich im betroffenen Abschnitt teilweise sehr hohe Durchlässigkeiten aufweist. Gemäß dem Landesentwicklungsprogramm Bayern sollen besiedelte Gebiete vor einem 100-jährlichen Hochwasserereignis mit ausreichendem Freibord ("Sicherheitszuschlag") geschützt werden.
Mit der vorliegenden Maßnahme wird der erste Schritt zum Schutz des teilweise dicht besiedelten Polders Steinkirchen-Fischerdorf vor einem 100-jährlichen Donau-Hochwasser verwirklicht.
Die Hochwasserschutzmaßnahme im Bereich von Fischerdorf beginnt unmittelbar nördlich vom Schöpfwerk Saubach (Donau-km 2.282,9) und endet an der Eisenbahnbrücke Deggendorf (Donau-km 2.285,85). Eine Untergrundabdichtung wird mit dem Ausbau nicht durchgeführt, der Grund-wasseraustausch ist auch nach Abschluss der Baumaßnahme uneingeschränkt möglich.
Beschreibung der Baumaßnahme
Deich und Mauer
Der bestehende Erddeich wird aufgehöht und landseitig verbreitert. Die Abdichtung des Erddeiches erfolgt mit einer Innendichtung aus Stahlspundwänden und Betondichtwänden. Der Unterhaltungsweg wird bei beengten Verhältnissen auf der Deichkrone, ansonsten in der landseitigen Deichböschung hergestellt. Unter der Autobahnbrücke Fischerdorf wird eine Hochwasserschutzmauer aus Stahlbeton, die auf einer Dichtwand gegründet ist, auf dem bestehenden Deich errichtet.
Binnenentwässerung
Das bestehende Schöpfwerk Fischerdorf wird zur Sicherstellung der Binnenentwässerung durch einen Neubau mit erhöhter Förderleistung ersetzt. Das bestehende Graben- und Leitungssystem wird ertüchtigt.
Mobile Elemente
An 2 Deichüberfahrten ist der Neubau von Deichbalkenverschlüssen mit einer Breite von ca. 21 m und ca. 9 m vorgesehen. Das mobile Hochwasserschutzsystem besteht aus Stahlstützen und Aluminiumbalken, welche nur bei einem Hochwasserereignis eingesetzt werden.
Kreuzungsbauwerke
Kreuzende Ver- und Entsorgungsleitungen (Wasser, Abwasser, Strom, Telekommunikation) werden in die geplanten Hochwasserschutzbauwerke integriert.
Landschaftsbild und Ökologie
Die Hochwasserschutzanlagen werden durch entsprechende gestalterische Maßnahmen in das Orts- bzw. Landschaftsbild eingebunden. Durch die gewählte Ausführungsart werden Eingriffe im ökologisch sensiblen Deichvorland vermieden. Unvermeidbare Eingriffe im unmittelbaren Baubereich werden ausgeglichen oder ersetzt.
Finanzierung des Projektes
Bauherr sind die Bundesrepublik Deutschland und der Freistaat Bayern, gemeinsam vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf. Die Stadt Deggendorf beteiligt sich maßgebend an den Baukosten.
Die Europäische Union fördert das Projekt im Rahmen des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) mit dem Ziel-2-Programm zur Entwicklung strukturschwacher Gebiete im Interesse der Standortsicherung.
Die geschätzten Gesamtkosten für die Maßnahme betragen ca. 6,7 Mio. Euro.
Technische Daten
Ausbaustrecke: ca. 2.500 m
Deichinnendichtung: ca. 15.700 m²
davon Stahlspundwände: ca. 6.800 m²
Stahlbeton: ca. 1.100 m³
Erdbewegungen: ca. 55.000 m³
Fläche des mobilen Hochwasserschutzsystems: ca. 35 m²
Leistung des Schöpfwerkes: 720 l/s
Bauzeit: August 2005 bis April 2007
Ihre Ansprechpartner
Bauherr Wasserwirtschaftsamt Deggendorf
Planung und Bauüberwachung
RMD Wasserstraßen GmbH
Hochwasser März 1988
Herstellung des Deichinnendichtung aus Erdbeton mit einer Fräse
Entnahme von Vegetationssonden auf dem alten Deich
Außenansicht des neuen Schöpfwerkes Fischerdorf
